HOLE FULL OF LOVE Samstag | 23:15 Uhr - 00:45 Uhr RADIO BOB! - Bühne (Hugenottenhalle)
Liebesgebrüll aus der Höhle
 Eine Höhle voller Liebe, ja wie geil ist das denn? Was darf man sich denn unter einem solchen Erdloch vorstellen, aus dem anscheinend Liebesschreie emporsteigen? Ob es Schreie der Liebe oder Schreie der Schmerzen sind, bleibt vorerst im Unklaren. Schreien gehört auf jeden Fall zum Programm der härtesten und tightesten Rocker des diesjährigen Open Doors Festivals. Schreie, die so manche Membran des kugelsicheren Tauchspulenmikrofons erschüttern lässt und ein Hagelschauer an nicht zu bremsenden Speichelfluss des Timbres der Stimme in das elektrische Schwachstromkabel bis tief in die Stage box der Hugenottenhalle katapultiert. Unmissverständlich wird klar, dass Schwachstromkabel irgendwie nicht so geeignet sind, für die Band braucht es schon ein 32 Ampere Starkstromkabel, um der Gewalt und Macht in der Stimme Einhalt zu gebieten. Sehr elektrisierend das Ganze. Dazu brät aus metallverstärkten und doppelwandigen Gitarrenboxentürmen ein warmer und metallischer Tornado, so roh und grobschlächtig wie eine riesige Dampflok, die mit Schallgeschwindigkeit einem durch die Eingeweide fährt. Ja, hier sind wir zu Hause, bei Selbstgeißelung der Gehörgänge, wo Steigbügel und Amboss Buße für lapidare Popmusik tun müssen, welche die Hörschnecke das Jahr über erfahren musste.
Ihr habt es so gewollt, im letzten Jahr völlig überlaufen im Gleis Eins gerockt, in einem Raum, in dem die Luft zum Schneiden dick war, wenn man hier noch von Luft im weitesten Sinne reden kann. Treibhausgase werden auch auf der RADIO BOB! Bühne produziert, aber Dank der nachhaltig errichteten Entlüftungsanlage können solche Menschenmassen den elektrisierenden Klängen dieser wahnsinnigen Truppe gesundheitlich trotzen. Kurz vor dem zulässigen Maximalpegel, das bemitleidenswerte Mischpult schon jenseits des roten Bereichs, rockt die betörende Dampflok die Halle im stampfenden Viervierteltakt die Autobahn zur Hölle und prügelt sich rund um den brennenden Strauch.
Ja, das ist wohl die beste Gleichstrom-Wechselstrom-Tributeband, die jemals das Licht der Welt erblickt hat. Und so true und cool wie diese Jungs, so erbarmungslos und geradlinig ist wohl keine zweite AC/DC Coverband. Konsequenterweise spielen sie ausschließlich die klassischen Nummern, uneingeschränkt die 70er Jahre, also wie Kenner sagen, die besten Jahre der australischen Hardrocker, die dem Blues eine gänzlich neue Richtung verpassten. Ausverkauftes Haus, na ja, beim Open Doors ja eine relative Eigenschaft, dürfte der Dank der treuen Fans sein. Gewiss ist nur, man sollte früh da sein, der Platz im Innenraum der Hugenottenhalle ist beschränkt und die absolut heißen Vorbands versprechen keinen Stehplatzwechsel der eingeschworenen Rockergemeinde. Luft ist genug da, diese wird aber spätestens nach dem Flammeninferno noch einmal stark elektrisiert. Haltet eure Haare fest und schüttelt diese im Takt!
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